Vielleicht Marseille

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Roman, Rowohlt Berlin, ab 28.08.2015 im Handel

Pressestimmen

Poladjan spielt hier mit Balancen und Gegenläufigem. Die Mehrstimmigkeit ihrer Protagonisten ist kunstvoll durchkomponiert und dennoch leicht vorgetragen in abwechselnden Tempi. Fast wie eine Sonate von Bach.
(Judith Luig, Berliner Morgenpost)

Katerina Poladjans „Vielleicht Marseille“ zeigt das Leben als Weg-Zeit-Diagramm. Zwischen Salzburg, München und Marseille, dem Diesseits und dem Jenseits wechselt die trickreiche Dramaturgie des Romans. Seine Sprache ist zurückhaltend bis zur Sprödigkeit, weil sie nichts erklären will. Sie will nicht deuten, sondern die Dinge in der Schwebe halten.
Beim diesjährigen Bachmann-Wettbewerb war ein Auszug als „stille Prosa“ zu einem Achtungserfolg gekommen. Das Kunststück, in aller stilistischer Gelassenheit von auseinanderkrachenden Existenzen zu erzählen, ist Poladjan gelungen…. Katerina Poladjan kann sehr viel, sie kann in wenigen Sätzen Geschichten erzählen, für die manche andere viele Seiten brauchen.
(Paul Jandl, Literarische Welt)


„Vielleicht Marseille“ beginnt wie Ibsens Drama „Nora oder ein Puppenheim“.(…)  Im Hintergrund dieses Textes steht nicht nur Noras revolutionäre Geste, die Poladjan vom Beginn der Moderne ins 21. Jahrhundert transponiert und als ein Heraustreten aus sich automatisch abspulenden Lebensläufen reaktiviert. Man könnte aber auch von Godards heiterer und trostloser Melancholie sprechen. Überhaupt: Hat man einmal Jean-Luc Godard als Paten des Romans erkannt, wird klar, dass die Autorin ihrerseits aus automatisierten Erzählweisen heraustritt. Sie erzeugt Spannung atmosphärisch, zieht die theatrale Inszenierung einem pseudo-authentischen Realismus vor und setzt auf den Verstand, nicht auf Empathie und Identifikation. (…)
„Vielleicht Marseille“ ist nun noch radikaler im künstlerischen Anspruch, eine feine literarische Etüde, der Auftakt für ein Werk, dessen Umrisse man schon erahnen kann. Dieser Roman steht quer zu den Spannungs-Dramaturgien, dem Authentizitäts-Realismus und den Plotmaschinen des seriellen Erzählens, das derzeit unsere Aufmerksamkeitsmöglichkeiten extrem prägt. Ein Erzählen, das dem Leser Platz lässt und die Freiheit der Entscheidung, ein Erzählen, wie es Jean-Luc Godard im Film perfektioniert hat.
(…)In einer Zeit, in der die bürgerliche Mitte sich selbst aus den Augen verliert und die Herkunft von Ängsten und Wünschen sichtlich nicht mehr reflektieren will, braucht es den Verstand noch vor der Empathie. Auch und gerade in der Literatur. Und es braucht solche Bücher, die den Mut haben, die Konsequenzen für die Form ihres Erzählens zu ziehen.
(Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung)